40 Jahre IPAK - ein Überblick


Die ersten Anfänge einer Gruppenarbeit von Pflege- und Adoptiveltern und Interessierten lassen sich im Koblenzer Raum bereits im Jahre 1975 feststellen. Seit Januar 1976 ist diese Arbeit durch Protokolle der 14-tägig stattfindenden Gruppenabende dokumentiert.

Diese Gruppenabende wurden initiiert durch Adoptiv- und Pflegeeltern, aber auch das Jugendamt der Stadt Koblenz und am Projekt Heim- und Pflegekinderwesen der Fachhochschule Koblenz beteiligte Studenten zeigten großes Interesse an der Gruppenarbeit. Sehr früh beteiligten sich zudem Adoptiv- und Pflegeeltern aus der näheren und weiteren Umgebung von Koblenz, so dass bald auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Kreises Mayen-Koblenz aufgenommen wurde.

Was trieb diese Eltern zusammen?  Sie wollten der Vielfalt der Probleme, die sich bei der Annahme eines Kindes im Pflegeverhältnis oder zur Adoption ergeben, durch gegenseitigen Erfahrungsaustausch, rechtliche Beratung und Fortbildung begegnen, ja, ...und einige Stunden im Monat unter Gleichgesinnten verbringen, denn das Verständnis für diese Art von Eltern-Kind-Beziehung war in der Öffentlichkeit (außer in Kriegs- und Nachkriegszeiten) nur sehr eingeschränkt vorhanden. So führte ein Bericht von Josef Dörr im Herbst 1976 in der Rhein-Zeitung über Frau. M., eine Mutter von neun Pflege- und Adoptivkindern, zu einer hohen Zahl von positiven, mitunter begeisterten, zum Teil aber auch heftigen negativen Reaktionen der Leser. Eine Landtagsabgeordnete kritisierte, dass darin der monatliche Heimpflegesatz benannt wurde („...das Heim bekommt künftig keine Spenden mehr...“), und drohte an, sich für eine strengere Überprüfung der Pflegeeltern einzusetzen.

Sehr bald begann die Gruppe, ihre Abende zu strukturieren, um die Vielzahl der anstehenden Themen zu bewältigen. Die Vorbereitung der Abende und die Diskussionsleitung übernahmen die Gruppenmitglieder reihum. Das führte zu einer sehr aktiven und lebhaften Mitarbeit aller Mitglieder. Auch Freizeitmaßnahmen wie Wandern, Fastnachtfeiern, Grillfeste und „Weihnachtsbaumschlagen“ wurden organisiert, wodurch sich in der Gruppe, auch unter ihren Kindern, ein sehr enges, freundschaftliches Klima entwickelt hat.

Ein mit den Kindern im Bendorfer Hedwig-Dransfeld-Haus verbrachtes Bildungswochenende mit einer Reihe von Vorträgen und Diskussionen mit Fachexperten zeigte, wie notwendig und gewinnbringend solche Fortbildung ist.

Bei den Gruppengesprächen war die eigene Motivation oft ein zentrales Thema. Es war wichtig zu begreifen, dass die eigene Motivation im Grunde nur zweitrangig ist, dass es vielmehr darauf ankommt, dass die Kinder die Hilfe erhalten, die sie brauchen.

Der monatliche Pflegesatz für ein Kind betrug damals in der Regel 300,00 DM. Damit war unter Umständen der Unterhalt des Kindes, nicht aber die Leistung der Pflegeeltern abgedeckt. Dies bestätigte auch der damalige Jugenddezernent des Stadt Koblenz, Beigeordneter Maahs, bei  seinem ersten Gespräch mit der Gruppe. Er regte an, die Gruppe solle selbst die erforderliche Höhe des Pflegesatzes ermitteln. Dem Vorschlag ist die Gruppe gefolgt. Ein Elternteam aus Familien verschiedener Einkommensklassen ermittelte den Unterhaltsbedarf für Kinder verschiedener Altersstufen anhand eigener Aufwendungen und kam zu dem Ergebnis, dass der damals geltende Pflegesatz für Kinder bis zu 4 Jahren durchaus angemessen war, dass der Bedarf für ältere Kinder jedoch erheblich höher (bis zur zweifachen Höhe) anzusetzen war. Das Ergebnis dieser Untersuchung nutzte auch die FH Koblenz für ihre Studien. 

Der Abend mit dem Jugenddezernenten Maahs leitete eine Phase intensiverer Zusammenarbeit mit den Jugendämtern ein. Auf die Anregung von Herrn Maahs („...ich brauche einen festen Ansprechpartner...“) setzte sich die Gruppe erstmals konkret mit der Frage der Gründung eines eingetragenen Vereins auseinander. Der Beschluss, den Verein zu gründen, war schnell und einstimmig gefasst. Ein Team wurde mit dem Entwurf der Satzung beauftragt. Die rechtlich geforderten Regelungen waren schnell formuliert und abgestimmt. Die zentrale Bestimmung der Satzung, nämlich der Zweck des Vereins, wurde erst nach langem Feilen an der Formulierung niedergeschrieben:

„Ziel des Vereins ist die Betreuung von Pflege- und Adoptiveltern im gesamten erzieherischen Bereich.
Insbesondere hat er sich zur Aufgabe gesetzt,
a) sich für das Wohl von Sozialwaisen einzusetzen,
b) die erzieherische Arbeit von Pflege- und Adoptiveltern durch Information und Fortbildungsveranstaltungen zu unterstützen,
c) die Vorbereitung von Pflege- und Adoptivelternanwärtern,
d) die Interessen von Pflege- und Adoptiveltern und deren Kindern gegenüber und in Zusammenarbeit mit den Jugendämtern, den zuständigen staatlichen Stellen, den freien Wohlfahrtsverbänden und gegenüber der Öffentlichkeit wirkungsvoll zu vertreten sowie
e) die Werbung weiterer Pflegeeltern.“

In der Gründungsversammlung am 03. Mai 1977 wurde die Satzung einstimmig verabschiedet. Der Verein erhielt den Namen „Interessengemeinschaft Pflege- und Adoptiveltern Koblenz und Umgebung e. V. (IPAK)". Die 18 anwesenden Mitglieder wählten ihren Vorsitzenden, zwei Stellvertreter, Schriftführer und Schatzmeister. Am 20. Juli 1977 erfolgte die Eintragung des Vereins beim Amtsgericht Koblenz.

Seither sind über 40 Jahre vergangen. Die IPAK-Gruppe hat die mit der Satzung gesetzten Ziele mit Leben ausgefüllt. Sie hat viele neue Eltern geworben, sie mit Gesprächen, Informationen und Vorträgen durch Fachexperten unterstützt, die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und Institutionen gepflegt, die Öffentlichkeit informiert und damit vielen Kindern, die nicht das Glück hatten, in einer sozial gesicherten Familie aufzuwachsen, zu einem menschenwürdigen Leben verholfen.

Über eine Reihe von Jahren konnte die IPAK einmal im Jahr die Koffer packen und für ein Wochenende das Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen aufsuchen, das immer ein interessantes Programm für die Eltern und auch für die Kinder vorbereitet hat. Es ist kaum zu ermessen, wieviel diese Seminare zur Kindererziehung, zu den Partnerbeziehungen, kurzum zu einem ausgeglichenen Zusammenleben dieser Familien beigetragen haben.

Um sich auf Fragen, die an einem geplanten IPAK-Infostand  gestellt werden könnten, vorzubereiten, wurden an einem der Gruppenabende in Rollenspielen gemeinsam die möglichen Antworten formuliert. Lassen Sie mich einige dieser Antworten zitieren, weil sie so treffend die Einstellung der in der IPAK mitwirkenden Eltern kennzeichnen:

Warum nehmen Sie Pflegekinder an?
Aus Freude an Kindern, insbesondere wenn man damit Kindern helfen kann, die in Not sind und eine Familie brauchen.

Können fremde Kinder auch schlechte Anlagen mitbringen?
Natürlich. Bei der Heirat nimmt man ja auch einen „fertig“ geprägten Menschen an mit all seinen Eigenarten, guten und schlechten Seiten. Doch bei Kindern kann die Erziehung noch viel bewirken. Das Aufwachsen in einer Familie kann Vieles wieder gut machen; wir haben gute Voraussetzungen und die besten Vorsätze.

Verdienen Sie viel dabei?
Ja, viel Erfahrung, persönlichen, ideellen Gewinn, neben einigen Sorgen auch viel Freude. Die Unkosten sind durch das Pflegegeld gedeckt, nicht mehr und nicht weniger.

Hoffen wir, dass die IPAK diese für unsere Gesellschaft unentbehrliche Aufgabe auch in Zukunft weiterhin erfüllen kann, dass ihr jederzeit Eltern zur Verfügung stehen, die die für diese Aufgabe erforderliche Kraft und Zeit aufbringen können, und danken wir den Eltern, die dies in der Vergangenheit geleistet haben und heute leisten.

Helmut Kolar